Monatsarchiv: Juni 2017

  • Houston - wir haben ein Problem

    Es gibt New Yorker Strassen, deren Namen kennt die ganze Welt. Einige davon sind gar so berühmt, dass sie mit ganzen Industriezweigen gleichgesetzt werden. Die Wall Street steht für globale Finanzmärkte und auf Broadway folgt fast immer das Wort Musical. Was steht hinter diesen Strassennamen? Und wie sind sie entstanden? LOCALIKE hat sich auf Spurensuche begeben. Wir haben die interessantesten Facts für Sie zusammengetragen und möchten Ihnen diese nicht vorenthalten.

    Bevor es los geht unternehmen wir aber zuerst einen kurzen Exkurs in die Stadtgeschichte. New York hiess eigentlich einmal New Amsterdam und – sie ahnen es – war eine niederländische Kolonie. Einen guten Teil des 17. Jahrhunderts konnten sich die Niederländer halten, doch dann wurde ihnen der New Amsterdamer Geschäftssinn zum Verhängnis. Der Handelsposten war so lukrativ, dass ihn die Briten 1664 kurzerhand übernahmen und die Stadt im gleichen Jahr umbenannten.

    Wall Street
    Für eine der berühmtesten Strassen gibt es leider keine eindeutige Erklärung, nur dass sie mal «de Waal Straat» hiess. Zwei Theorien gelten als wahrscheinlich. Die Strasse galt eine zeitlang als nördliche Grenze der jungen Kolonie und wurde deswegen «Wall» genannt. Die zweite Theorie besagt, dass sie ihren Namen den 30 wallonischen Familien zu verdanken hat, welche zu den ersten europäischen Siedlern Manhattans zählten.

    Avenue of the Americas
    Diesen Namen kennen Sie vielleicht nicht und New Yorker benutzen ihn ganz bestimmt nicht. Dennoch ist es der offizielle Name für die 6th Avenue. Die Strasse wurde 1945 auf drängen des damaligen Bürgermeisters Fiorello LaGuardia umbenannt. Die damals heruntergekommene Avenue wurde zu ehren der heute nicht mehr existierenden «Organization of American States» umbenannt. Eine internationale Organisation, der die Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko angehörten. Bürgermeister LaGuardias Name seinerseits steht immer noch für einen der beiden Stadtflughäfen.

    Christopher Street
    Die Strasse im West Village wurde nach einem britischen Admiral namens Charles Christopher Amons benannt. Allerding steht sie heute viel mehr für die LGBTQ-Bewegung. 1969 nahm in der «Stonewall»-Bar an dieser Strasse der Aufstand gegen die Polizeiwillkür seinen Anfang.

    Park Avenue
    Die Park Avenue ist heutzutage eine der repräsentativsten Wohnadressen weltweit. Dabei hiess sie früher einfach nur 4th Avenue – ganz gemäss ihrer Lage. Anstatt des grünen Streifens zwischen den zwei Fahrbahnen waren da Geleise für die Bahnstrecke in Richtung Harlem. Als die Geleise in den 1850ern dem Grün wichen, waren auch die Tage der 4th Avenue gezählt.

    Lexington Avenue
    Diese Avenue mit Nord- und Süd-Verkehr (ungewöhnlich für New York) ist nach einer Schlacht während der Revolution benannt. Viel interessanter ist aber der Umstand, dass es sie gar nicht geben dürfte. Sie verläuft nämlich genau zwischen der 3rd und 4th Avenue (welche ja einen neuen Namen bekommen hatte). Wieso die Lex, wie sie New Yorker nennen, trotzdem da ist? Weil ein damaliger Grossgrundbesitzer sich höhere Landpreise davon versprach.

    Broadway
    New Yorks älteste Nord-Südachse hiess eigentlich einmal «Breedeweg», was auf niederländisch ganz einfach «breite Strasse» bedeutet. Der heutige Name ist also eine simple Übersetzung. Der Broadway durchquert übrigens nicht nur ganz Manhattan und die Bronx, sondern endet erst knappe 30 km ausserhalb der Stadtgrenze.

    Bowery
    Wieder so ein Holländer. «Bouwerij» ist niederländisch für «Bauernhof» und Bowery steht für dessen Klang in englischen Ohren. Die Gegend, welche China Town mit dem East Village verbindet war anno dazumal die Strasse von der Wall Street zum angrenzenden Farmland.

    Houston Street
    Der Ursprung dieses Strassennamens ist eher langweilig und kompliziert. Die Aussprache hat es aber in sich. Nehmen wir an, Sie haben eben mit Bravour ein Taxi herangewinkt und fühlen sich zu recht ein klein wenig Local. Ihr Ziel liegt an der Houston Street, also sagen sie «Houston Street», so wie sich die Stadt in Texas nun mal ausspricht (HIU-ston). Houston – wir haben ein Problem. Der Taxifahrer wundert sich, wohin es wohl gehen soll. Man sagt «HAU-ston». (Achtung, auf englisch natürlich «HOW-ston»). Warum fragen Sie sich?  Dazu gibt es merkwürdigerweise keine logische Erklärung.

    Damit Sie bei einem nächsten New York-Besuch mit allen Fakten auftrumpfen können, möchten wir Ihnen einen letzten Fact nicht vorenthalten. Es geht nicht um Strassen, sondern um zwei Stadtviertel: Harlem und Brooklyn. In den Niederlanden gibt es zwei Städte, die den Namen Haarlem und Breukelen tragen.
    Begeben Sie sich auf Spurensuche – auf bald in New York!