Monatsarchiv: November 2017

  • Der Bürgermeister

    Wie viele Bürgermeister gibt es wohl auf der Welt? Wir wissen es nicht und Google weiss es auch nicht so genau. Google kennt jedoch den Namen jedes einzelnen Bürgermeisters New Yorks und das macht den «Mayor of New York City» sicherlich zu einem ganz besonderen Bürgermeister. Immerhin steht er an der Spitze einer Verwaltung, welche über ein Jahresbudget von 70 Milliarden US-Dollar verfügt und an die 330,000 Mitarbeiter beschäftigt. Das ist weit mehr als so mancher Staat für sich beanspruchen kann. Bis zum heutigen Tag gab es 109 Bürgermeister. Werfen wir einen Blick auf ein paar ausserordentliche Exemplare der jüngeren Zeit.

    Fiorello La Guardia
    La Guardias Spitzname «Little Flower» leitet sich von seinem italienischen Vornamen ab und ist eine Anspielung auf seine Körpergrösse von nur 1.57 m. Sein Vermächtnis als Mayor gilt aber – im Gegensatz zur Körpergrösse – zu einem der Grössten. Er war von 1934 bis 1945 im Amt. Während seiner Amtszeit setzte er sich vor allem für den Wiederaufbau und Erhalt der maroden Infrastruktur ein. Parks, Highways, einen Flughafen und unzählige Wohnhäuser für sozial schwache Bevölkerungsgruppen wurden aus dem Boden gestampft. Gleichzeitig kämpfte er gegen die damals notorische Korruption und das organisierte Verbrechen an und erzielte dabei beachtliche Erfolge. Man dankte sein Schaffen mit einem nach ihm benannten Flughafen und einer Strasse in Manhattan inkl. Statue.

    Ed Koch
    Ed Koch amtete von 1978 bis 1989 als Mayor. Seine Bilanz lässt sich sehen. Wie auch La Guardia, war er für den Bau einer riesigen Menge an Wohnraum für sozial Benachteiligte verantwortlich. Als erster Bürgermeister setzte er Regelungen gegen die Diskriminierung von LGBTQ-Angestellten der Stadt New York in Kraft. Allerdings war er nicht mit all seinen Meinungen auf der gleichen Wellenlenge mit seiner Bevölkerung. So galt er z.B. als glühender Verfechter der Todesstrafe, was ihm immer wieder heftige Kritik der New Yorker einbrachte. Der ewige Junggeselle fuhr gerne mit der Subway und nicht selten fragte er wildfremde an einer beliebigen Strassenecke nach ihrem Wohlbefinden.

    Rudy Giuliani
    Giuliani von 1994 bis 2011 New Yorks Bürgermeister. Während seiner Amtszeit sank die Kriminalität in einem noch nie dagewesenen Tempo. New York City wurde plötzlich zur sichersten Grossstadt der USA, was gleichzeitig für einen gewaltigen wirtschaftlichen und touristischen Aufschwung sorgte. Die Null-Toleranz-Politik hatte aber ihren Preis und so wurde Mayor Giuliani nicht bedingungslos geliebt. Von einigen Kreisen wurde ihm vorgeworfen, jegliches Leben in der Stadt abzuwürgen. Alles in allem herrscht aber bis heute die Einsicht, dass die Stadt für alle lebenswerter gemacht wurde. In seinem letzten Amtsjahr musste er sich als Kriesenmanager für die wohl grösste Katastrophe in der Stadtgeschichte beweisen, den Anschlägen vom 11. September.

    Michael Bloomberg
    Michael Bloomberg war nach La Guardia und Giuliani erst der dritte republikanische Mayor, der die Wiederwahl geschafft hatte. Wie seine beiden Vorgänger wichen aber auch seine Meinungen, vor allem in sozialen Belangen, massiv von der Mutterpartei ab. Er war Bürgermeister von 2002 bi 2013. Während seiner Amtszeit trat er aus der Partei aus und wurde Unabhängiger. Als einer der reichsten Männer der Welt verzichtete er auf sein Gehalt und gab sich mit einem symbolischen Dollar pro Jahr zufrieden. Seine Amtszeit war geprägt von wirtschaftlichem Aufschwung und grossen Fortschritten im Bereich der Lebensqualität. Autofreie Plätze, Fahrradwege, das Bike Sharing-Programm «Citibike» und viele andere Projekte sind ein sichtbares Vermächtnis. Allerdings wurde ihm auch zu viel Nähe zu wohlhabenden Kreisen vorgeworfen. Es ist nicht abschliessend geklärt, ob alle Bevölkerungsgruppen gleichermassen vom Aufschwung profitieren konnten. Er hebelte ausserdem das Gesetz aus, um sich eine dritte Amtszeit zu sichern, was ihm einige Kritik einbrachte.